Wie hybrides Arbeiten den Immobilienmarkt verändert

17.05.2026

Wie hybrides Arbeiten den Immobilienmarkt verändert
Die Kombination aus Präsenzarbeit und Homeoffice, die als hybrides Arbeiten bezeichnet wird, hat sich dauerhaft in der Berufswelt etabliert. Entgegen einiger Prognosen, die eine allgemeine Rückkehr ins Büro ankündigten, scheinen die Unternehmen heute ein neues Gleichgewicht zwischen physischer Präsenz und Flexibilität gefunden zu haben.

In der Schweiz haben nahezu 77 % der Unternehmen eine Form der hybriden Arbeitsorganisation eingeführt. Der Anteil der teilweise aus der Distanz arbeitenden Beschäftigten bleibt seit 2022 stabil – ein Zeichen dafür, dass Homeoffice keine vorübergehende Massnahme mehr ist, sondern ein struktureller Bestandteil des Arbeitsmarktes geworden ist.


Das Büro verändert seine Funktion

Diese Entwicklung verändert die Rolle des Büros grundlegend. Es ist nicht mehr ausschliesslich ein Ort für individuelle Arbeit, sondern wird zunehmend zu einem Raum für Begegnung, Koordination und Zusammenarbeit.

Die Mitarbeitenden bevorzugen ihre Anwesenheit vor Ort inzwischen für Sitzungen, informelle Gespräche, kreative Interaktionen oder auch den Aufbau beruflicher Beziehungen. Laut mehreren Studien wird das Büro weiterhin als bevorzugter Ort für soziale Kontakte, Networking und die Stärkung der Unternehmenskultur wahrgenommen.

In diesem Kontext versuchen Unternehmen weniger, die Anzahl fixer Arbeitsplätze zu erhöhen, sondern vielmehr attraktive und flexible Räume anzubieten: modulare Open Spaces, Konferenzräume, kollaborative Bereiche oder Entspannungszonen.


Ein zunehmender Druck auf den Büroimmobilienmarkt

Die Entwicklung des hybriden Arbeitens reduziert mechanisch den Bedarf an Büroflächen. Das Modell des „Space Sharing“ verbreitet sich zunehmend, und zahlreiche Unternehmen optimieren ihre Quadratmeterflächen, um ihre Betriebskosten zu senken.

Diese Entwicklung schwächt insbesondere ältere Gebäude, die häufig vor den 2000er-Jahren errichtet wurden und deren Infrastrukturen den heutigen Anforderungen hinsichtlich Flexibilität, Energieeffizienz oder Qualität der Arbeitsräume nicht mehr entsprechen.

In Genf suchen derzeit mehr als 300’000 m² Büroflächen und nahezu 24’000 m² Gewerbeflächen nach Mietern. Dieser Anstieg leerstehender Flächen verdeutlicht den Wandel, den der Markt für Gewerbeimmobilien derzeit durchläuft.

Die Folgen könnten über den Immobiliensektor hinausgehen. Ein bedeutender Teil der Geschäftsgebäude wird durch Bankkredite finanziert. Wenn Flächen dauerhaft ungenutzt bleiben, kann der Rückgang der Mieteinnahmen bestimmte Eigentümer schwächen und die finanziellen Risiken für die kreditgebenden Institute erhöhen.

Die Abnahme der täglichen Frequentierung von Büroquartieren kann zudem lokale Geschäfte, insbesondere die Gastronomie, beeinträchtigen, was die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien verringern könnte.


Zunahme hochwertigerer und besser gelegener Büros

Hybrides Arbeiten bedeutet jedoch nicht das Verschwinden des Büros. Vielmehr begünstigt es eine Polarisierung des Marktes.

Unternehmen suchen weiterhin nach modernen, leicht zugänglichen Flächen, die den Mitarbeitenden einen echten Mehrwert bieten können. Die Qualität der Ausstattung, die Energieeffizienz und die Nutzererfahrung werden zu zentralen Kriterien.

Gut gelegene und renovierte Gebäude behalten somit ihre Attraktivität, während veraltete Flächen zunehmend Schwierigkeiten haben, Mieter zu finden.


Neue Erwartungen auf dem Wohnungsmarkt

Hybrides Arbeiten beeinflusst ebenfalls den Wohnungsmarkt. Da das Zuhause zu einem teilweisen Arbeitsort geworden ist, suchen viele Haushalte inzwischen nach Immobilien mit einem zusätzlichen Raum, der als Büro genutzt werden kann.

Diese Entwicklung fördert die Nachfrage nach :

  • grösseren Wohnungen ;
  • Wohnungen mit einem zusätzlichen Zimmer ;
  • Aussenbereichen ;
  • Immobilien in Wohngebieten mit guter Anbindung an urbane Zentren.
In einem Kontext anhaltenden Bevölkerungswachstums trägt diese Nachfrage dazu bei, den starken Druck auf den Schweizer Wohnungsmarkt sowohl im Miet- als auch im Kaufbereich aufrechtzuerhalten.


Die Umwandlung von Büros in Wohnungen

Angesichts des Anstiegs leerstehender Flächen und des Wohnungsmangels nehmen Umnutzungsprojekte zu. Mehrere Umwandlungen von Büros in Wohnungen befinden sich derzeit in der Westschweiz, insbesondere in Genf, in Umsetzung.

Dieser Wandel eröffnet neue Perspektiven für Investoren und Akteure der Bauwirtschaft. Nicht alle Gebäude werden sich leicht umwandeln lassen, doch ein grosser Teil des Bestands wird renoviert und an die aktuellen Normen angepasst werden müssen.

Energetische Anforderungen, öffentliche Subventionen und die Suche nach Rendite ermutigen Eigentümer bereits heute dazu, umfangreiche Umbauarbeiten durchzuführen. Die starke Präsenz institutioneller Investoren auf dem Schweizer Immobilienmarkt erleichtert diese Entwicklung dank ihrer langfristigen Finanzierungskapazitäten.


Fazit : Welche Herausforderungen ergeben sich für den Immobiliensektor ?

Qualität steht heute vor Quantität : Unternehmen suchen weniger Fläche, dafür aber besser gelegene, flexiblere Büros mit einer echten Nutzererfahrung.

Ältere Gebäude müssen neu positioniert werden : energetische Sanierung, modulare Raumgestaltung und die Modernisierung der Infrastrukturen werden zu wesentlichen Elementen, um die Attraktivität der Immobilienwerte zu erhalten.

Die Umnutzung von Gewerbeflächen stellt ein bedeutendes Potenzial dar : die Umwandlung von Büros in Wohnungen könnte in Regionen mit Wohnraummangel zu einem strategischen Hebel werden.

Der Markt entwickelt sich hin zu einer zunehmenden Polarisierung : Premium-Immobilien behalten ihren Wert, während veraltete Flächen ein dauerhaftes Leerstandsrisiko tragen.

Auch die Erwartungen im Wohnbereich verändern sich : die Nachfrage nach grösseren und für Homeoffice geeigneten Wohnungen könnte weiterhin die Konzeption zukünftiger Immobilienprojekte beeinflussen.

Quellen

immobilier.ch - Article
Chantiersmagazine.ch - Article
Welcomr.com - Article
All news.ch - Article

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