Schweizer Mietmarkt : das Paradox eines steigenden Angebots und immer kürzerer Fristen
12.01.2026
Der Schweizer Mietwohnungsmarkt durchläuft derzeit eine ausgesprochen paradoxe Phase.
Noch nie wurden in den vergangenen Monaten so viele Wohnungen zur Miete angeboten, und dennoch verschwinden die Inserate immer schneller von den Portalen. Ein kontraintuitives Phänomen, das eine vertiefte Analyse verdient, da es die strukturellen Spannungen offenlegt, die auf dem Markt wirken.
Mit anderen Worten: Es werden mehr Objekte angeboten, doch sie finden noch schneller eine Mieterschaft. Die verwendeten Daten stammen aus dem Online-Wohnungsindex (OWI), der von der HEV Schweiz, der SVIT, dem Portal newhome sowie dem Swiss Real Estate Institute erarbeitet wird.
Umgekehrt bleiben andere Märkte deutlich entspannter. Im Jura bleibt ein Inserat durchschnittlich mehr als 50 Tage online, während Neuenburg, Lugano oder Basel regelmässig die Schwelle von einem Monat überschreiten.
Diese Unterschiede erinnern an eine zentrale Realität für Fachleute: Der Schweizer Mietwohnungsmarkt ist nicht homogen. Lokale Dynamiken überwiegen die nationalen Durchschnittswerte bei Weitem.
Das Ergebnis: Wohnungen werden schneller wiedervermietet, doch der Wettbewerb unter den Bewerberinnen und Bewerbern bleibt hoch.
In einem Markt, in dem sich die Vermarktungsfristen trotz steigenden Angebots verkürzen, werden Daten zu einem strategischen Hebel, um die Vermarktung effizient zu steuern und lokale Entwicklungen frühzeitig zu antizipieren.
watson.ch - Article
Noch nie wurden in den vergangenen Monaten so viele Wohnungen zur Miete angeboten, und dennoch verschwinden die Inserate immer schneller von den Portalen. Ein kontraintuitives Phänomen, das eine vertiefte Analyse verdient, da es die strukturellen Spannungen offenlegt, die auf dem Markt wirken.
Mehr Angebot … aber eine Rekordabsorption
Zwischen Oktober 2024 und September 2025 wurden fast 25’000 zusätzliche Mietwohnungen auf den Schweizer Markt gebracht, was einem Anstieg von rund 6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Zunahme ist in 19 von 26 Kantonen zu beobachten, mit besonders ausgeprägten Steigerungen in Regionen wie dem Wallis, dem Kanton Waadt oder Graubünden. Gleichzeitig ist jedoch die durchschnittliche Publikationsdauer eines Inserats auf 24 Tage gesunken – ein historisch niedriger Wert, vergleichbar mit den Rekorden aus der Mitte der 2010er-Jahre.Mit anderen Worten: Es werden mehr Objekte angeboten, doch sie finden noch schneller eine Mieterschaft. Die verwendeten Daten stammen aus dem Online-Wohnungsindex (OWI), der von der HEV Schweiz, der SVIT, dem Portal newhome sowie dem Swiss Real Estate Institute erarbeitet wird.
Sehr ausgeprägte regionale Unterschiede
Hinter diesem nationalen Durchschnitt verbergen sich erhebliche regionale Differenzen. In einigen Kantonen und Städten werden Wohnungen in beeindruckender Geschwindigkeit vermietet:- Chur weist eine durchschnittliche Dauer von lediglich 10 Tagen auf,
- Winterthur und Genf folgen mit 13 Tagen,
- Zürich liegt bei rund 16 Tagen.
Umgekehrt bleiben andere Märkte deutlich entspannter. Im Jura bleibt ein Inserat durchschnittlich mehr als 50 Tage online, während Neuenburg, Lugano oder Basel regelmässig die Schwelle von einem Monat überschreiten.
Diese Unterschiede erinnern an eine zentrale Realität für Fachleute: Der Schweizer Mietwohnungsmarkt ist nicht homogen. Lokale Dynamiken überwiegen die nationalen Durchschnittswerte bei Weitem.
Ein mobilerer Markt, aber weiterhin unter Druck
Wie lässt sich dieses Paradoxon erklären?
Die Autoren der Studie liefern eine klare Interpretation: Die Nachfrage wächst schneller als das Angebot. Die Zunahme der verfügbaren Wohnungen reicht nicht aus, um den Druck durch Bevölkerungswachstum, berufliche Mobilität und den Wandel der Lebensstile abzufedern. Zudem scheint die temporäre Ausweitung des Angebots viele Mieterinnen und Mieter zu einem Wohnungswechsel zu ermutigen, was die Marktfluidität erhöht, ohne ihn jedoch nachhaltig zu entspannen.Das Ergebnis: Wohnungen werden schneller wiedervermietet, doch der Wettbewerb unter den Bewerberinnen und Bewerbern bleibt hoch.
Welche Auswirkungen hat dies für Immobilienfachleute?
Für Eigentümer, Verwalter und Vermarkter bringt diese Situation mehrere konkrete Herausforderungen mit sich:- Erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit bei der Bearbeitung von Anfragen und Bewerbungen,
- Fein granulierte Analyse der Performance nach Objekt und Region,
- Transparentere Kommunikation mit den Eigentümern in einem Umfeld hoher Fluktuation,
- Optimierung der Wiedervermietungsprozesse, um die Nachfrage zum richtigen Zeitpunkt abzufangen.
In einem Markt, in dem sich die Vermarktungsfristen trotz steigenden Angebots verkürzen, werden Daten zu einem strategischen Hebel, um die Vermarktung effizient zu steuern und lokale Entwicklungen frühzeitig zu antizipieren.
Ein Paradoxon als Ausdruck eines strukturellen Ungleichgewichts
Dieses Paradoxon des Schweizer Mietwohnungsmarkts verdeutlicht eine grundlegende Spannung: Solange das strukturelle Angebot, insbesondere in urbanen Zentren und Agglomerationen nicht ausreichend wächst, wird der Druck auf Vermarktungsfristen und Mietpreise hoch bleiben, selbst in Phasen einer scheinbaren Ausweitung des Angebots. Für Fachleute ist das Verständnis dieser Dynamiken eine zentrale Voraussetzung, um ihre Strategien anzupassen, ihre Kundinnen und Kunden fundiert zu beraten und in einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld leistungsfähig zu bleiben.Quellen
24heures.ch - Articlewatson.ch - Article