Am 14. Juni 2026 werden die Schweizer über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» abstimmen. Diese Initiative zielt darauf ab, die ständige Wohnbevölkerung bis 2050 auf 10 Millionen Einwohner zu begrenzen und sieht im äussersten Fall eine Hinterfragung der Personenfreizügigkeit mit der EU vor.
Über den politischen Diskurs hinaus wirft diese Abstimmung eine wichtige Frage für die Immobilienbranche auf: Welche Auswirkungen könnte dies auf den Schweizer Immobilienmarkt haben?
Obwohl niemand mit Sicherheit die zukünftige Entwicklung des Marktes vorhersagen kann, zeichnen sich bereits mehrere Szenarien ab.
Ja-Votum: Potentiell weniger dynamische Immobiliennachfrage
Seit über 20 Jahren beruht das Bevölkerungswachstum der Schweiz hauptsächlich auf Zuwanderung. Diese ist heute die wichtigste Quelle für die Bevölkerungsentwicklung und damit ein wichtiger Treiber der Wohnungsnachfrage.
Im Falle einer Annahme der Initiative könnte das Bevölkerungswachstum allmählich abnehmen. Langfristig könnte dies einen Teil des
Drucks auf die Wohnungsnachfrage, insbesondere in einigen Randregionen, reduzieren.
Mehrere Ökonomen sind jedoch der Ansicht, dass ein solches Szenario nicht zu einem plötzlichen Preis- oder Mietsturz führen würde. Die grossen Wirtschaftszentren wie Genf, Zürich oder Basel würden weiterhin Menschen und Unternehmen anziehen, dank ihrer wirtschaftlichen Attraktivität und ihrer Arbeitsplatzangebote.
Einige Beobachter weisen auch darauf hin, dass eine strengere Beschränkung der Zuwanderung die Rekrutierung in verschiedenen Sektoren, auch im Baugewerbe, erschweren könnte. Die aktuelle Wohnungsnot ist aber auch auf ein Angebotsdefizit zurückzuführen. Wenn es aufgrund von Arbeitskräftemangel oder unzureichenden Kapazitäten schwieriger wird, zu bauen, könnte die erwartete positive Wirkung auf den Wohnungsmarkt geringer ausfallen.
Nein: Die Wohnungsnot bleibt ein grosses Problem
Ein Nein würde bedeuten, dass der aktuelle Rahmen und eine möglicherweise anhaltende Bevölkerungszunahme bestehen bleiben.
In diesem Szenario würde die Nachfrage nach Wohnraum in vielen Regionen des Landes, insbesondere in den grossen städtischen Zentren und deren Agglomerationen, wahrscheinlich weiter steigen.
Dennoch sind sich viele Experten einig, dass die aktuelle Wohnungsnot nicht nur auf die Zuwanderung zurückzuführen ist. Die Bearbeitungszeiten von Bauanträgen, die Einspracheverfahren, die regulatorischen Einschränkungen, die Knappheit an Bauland und die Schwierigkeiten, bestimmte Gebiete zu verdichten, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Mit anderen Worten: Selbst bei einer moderateren Bevölkerungszunahme könnte der Wohnungsmarkt unter Druck bleiben, wenn das Wohnungsangebot nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann.
Das eigentliche Thema: Mehr und schneller bauen
Dies ist wohl der Punkt, auf den sich die meisten Analysen einigen.
Unabhängig davon, ob sie die Initiative unterstützen oder nicht, sind sich viele Experten einig, dass die grösste Herausforderung des Schweizer Immobilienmarktes darin besteht, mehr Wohnraum dort zu schaffen, wo die Nachfrage am höchsten ist.
Natürlich wird die demografische Entwicklung die zukünftigen Bedürfnisse beeinflussen. Doch die Fähigkeit des Marktes, auf diese Nachfrage zu reagieren, wird auch von den Bauverfahren, der Verdichtung, der Verfügbarkeit von Bauland und der Entwicklung des regulatorischen Rahmens abhängen.
Eine Abstimmung, die über die Migrationsfrage hinausgeht
Für die Akteure der Immobilienbranche ist die Abstimmung vom 14. Juni vor allem ein Signal dafür, wie die Schweiz ihre zukünftige Entwicklung gestalten will.
Ob es nun ein Ja oder ein Nein gibt, die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Wohnungsbau werden nicht über Nacht verschwinden. Die Nachfrage, das Angebot, die Infrastruktur und die Raumplanungspolitik werden die Entwicklung des Marktes weiterhin beeinflussen.
Eines scheint jedoch klar zu sein: Die Wohnungsfrage ist zu einem der grossen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen der Schweiz in den kommenden Jahren geworden.
Quellen:
pme.ch - bilan.ch - asloca.ch - 24heures.ch - 24heures.ch - letemps.ch - watson.ch